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Schauplatz des Alten Testaments: Berg Nebo

Nach christlicher Überlieferung liegt der Berg Nebo als Felsausläufer eines Plateaus der Jordan-Senke südwestlich vom heutigen Amman, der jordanischen Hauptstadt. Moses soll nach der erfolgreichen Ausreise aus Ägypten und dem Empfang der 10 Gebote von diesem 840 Meter hohen Gipfel aus das Gelobte Land erblickt haben – das er selbst nie betreten sollte: Moses starb hochbetagt auf dem Berg Nebo. Seine Grabstätte im Tal Moab allerdings ist unbekannt.

Obwohl Jordanien im 7. nachchristlichen Jahrhundert wieder islamisiert wurde, wird den Stätten aus frühchristlicher Zeit und den biblischen Propheten große Achtung entgegengebracht. Jordanien betrachtet sich als ein Stück Land, auf dem sich Menschheitsgeschichte vollendete. Sehr früh erreichten die Mosesquelle im Tal und der Berg Nebo aufgrund ihres archaischen Charakters Kultstatus, zunächst bei Pilgern aus dem Abendland (die mutmaßlich spanische Nonne Egeria soll späteren Aufzeichnungen zufolge schon zwischen 380 und 415 mehrere Pilgerreisen in die Region zwischen Sinai, Jerusalem und Jordan unternommen haben), ab dem 18. Jahrhundert bei Bibelforschern und Archäologen, ab dem späten 19. Jahrhundert bei religiös und kulturell interessierten Touristen. Heute erwacht das Interesse an archaischen Stätten wieder frisch.

Berg Nebo

Berg Nebo ©iStockphoto/BestTravelPhotography

Ausgangspunkt ist die Stadt Medaba

Ausgangspunkt für eine Exkursion an den Berg Nebo bildet die seit 4.500 Jahren bewohnte biblische Stadt Medaba, heute Madaba, die „Stadt der Mosaiken“, wo sich ein Besuch der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Georg reichlich lohnt. Die älteste Landkarte Palästinas als Mosaik ist hier zu bewundern. Grandiose Mosaikbilder finden sich auch im archäologischen Park. Touristen pilgern von da zum heiligen Berg Nebo zu Fuß (vier Kilometer), in Bus oder Taxi.

Vom Gipfel bietet sich bei klarer Sicht ein atemberaubender Fernblick von den silbrig flirrenden Salzfluten des Toten Meers über das Jordantal bis nach Jericho, dem urchristlichen Samaria und Galiläa und zum Felsprofil des erhöhten Jerusalem. Auch die Päpste Johannes II. und Benedikt XVI. konnten sich bei ihren Besuchen im Jahre 2000 bzw. Mai 2009 dem Zauber und der Magie des Ortes nicht entziehen. Der heilige Berg Nebo wurde vom Vatikan zu einer der offiziellen Millenniums-Pilgerstätten erhoben. Für viele heutige Christen stellt er den Höhepunkt einer Reise in den Nahen Osten dar.

Moses-Gedächtnis-Kirche

Franziskaner unterhalten die Moses-Gedächtnis-Kirche auf dem Plateau, eine Basilika aus byzantinischer Zeit. Ihre Bauzeit wird in das 5. und 6. Jahrhundert datiert. Allein die beeindruckende Sammlung prächtiger Mosaiken, besonders der Mosaikboden der Taufkapelle mit griechischer Inschrift, die auf das Jahre 532 nach Christus verweist, mit Jagdmotiven, wilden Tieren, geometrischen Formen und floralen Motiven entschädigen für die kleine Mühe des Wegs. Später wurde die schöne Kirche mit Klostergebäuden ergänzt, von denen heute nur noch die Fundamente Zeugnis geben.

Einige Steine des frühchristlichen Kirchleins, auf deren Grundfesten die Basilka ruht, sind in einer Mauer der Altarnische für die Nachwelt erhalten. Auch ein Mosaikkreuz aus der ursprünglichen Kirche hat seinen Platz neben dem modernen Taufbecken gefunden. Vor dem Heiligtum ragt ein von einer Schlange umwundenes Eisenkreuz in Richtung des verheißenen Landes auf, diese Symbole verweisen auf die Schlange, die Moses mit in die Wüste nahm und auf die Kreuzigung Christi. Im 20. Jahrhunderte erfuhr die Moses-Basilika mehrere Renovierungen, die den guten Zustand des Heiligtums bewahren halfen.