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Die Königsstraße in Jordanien – Zwischen Amman und Petra

Die 5000 Jahre alte und 335 Kilometer lange Königsstraße, die Syrien mit Ägypten und Arabien verbindet, führt östlich des Toten Meeres von Amman nach Kerak, durch das Wadi Mujib bis nach Petra und wurde erstmalig im alten Testament als die Straße erwähnt, über die Moses sein Volk durch das jordanische Land Edom führen wollte.

Beginnend in Amman, dem biblischen Königreich der Ammoniten, können entlang der Königsstraße zuerst die bedeutenden Städte Hisban und Madaba besichtigt werden. Während Hisban als die biblische Hauptstadt Heschbon des Amoriterkönig Sihon identifiziert werden konnte, ging Madaba als Stadt der Mosaike in die Geschichte ein. Vom vierten bis zum siebten Jahrhundert war es ein geistliches Zentrum, in dem byzantinische Mosaike gefertigt und gesammelt wurden, die bis heute sehr gut erhalten sind. Hier befindet sich in der Apostelkirche die älteste Mosaikkarte des Heiligen Landes aus dem sechsten Jahrhundert n. Chr. und ein aus der Festung von Herodes dem Großen stammendes Bodenmosaik aus dem ersten Jahrhundert v. Chr., das als ältestes Mosaik Jordaniens gilt.

Vom Berg Nebo zum Heiligen Land

Westlich von Madaba befindet sich der 800 Meter hohe Berg Nebo, von dem Moses auf das Heilige Land herunterblickte. Von der berühmten Pilgerkirche aus dem vierten Jahrhundert n. Chr. sind heute allerdings nur noch wenige Steinblöcke und Mosaikteile übrig. Südlich der Bergspitze des Nebo trifft man auf die berühmte Festung Machaerus auf dem „Galgenberg“, wo der König von Judäa – Herodes Antipas, Johannes den Täufer einsperrte und köpfte. Ungefähr 30 v. Chr. entschied sich Herodes für diesen Ort als Stützpunkt zur Sicherung seiner ostjordanischen Territorien. Neben der Palastanlage kann man heute noch die luxuriöse Thermenanlage des Herodes besichtigen. Machaerus ist vielen sicherlich auch als Ort des ersten jüdischen Aufstands bekannt, bei dem die Burg bis auf ihre Grundmauern zerstört wurde. Heute wird der Komplex rekonstruiert.

 Amman

Amman ©iStockphoto/Ahmad Atwah

Um er-Rasas – römische, byzantinische und islamische Vergangenheit

30 Kilometer südlich von Madaba kommt man zu der archäologisch bedeutsamen Stadt von Um er-Rasas, wo sich Überreste aus der römischen, byzantinischen und islamischen Periode vom dritten bis zum neunten Jahrhundert n. Chr. befinden. Obgleich vieles noch nicht ausgegraben ist, gibt es als besonderen Höhepunkt einen Mosaikboden in der Stephanskirche zu besichtigen, das zwei Städte der Region darstellt und den Beweis für eine florierende christliche Gemeinde in der Region liefert. Dieses Mosaik, das aus drei verschiedenen Teilen besteht, identifizierte Um er-Rasas auch als Kastron Mefaa, das bereits in der Bibel erwähnt wurde. Das dann folgende Wadi Mujib gilt heute als der jordanische Grand Canyon und die Königsstraße führt 600 Höhenmeter bergab und dann wieder 700 Höhenmeter bergauf direkt südlich zum Plateau des antiken moabitischen Königreiches, vorbei am Römisch-Byzantinischen Kirchenkomplex bei Rabba.

Das weiter südlich davon gelegene Kerak gilt heute als historisch bedeutende Stadt der Moabiter und der Nabatäer und wurde in der Bibel als Qer Harreseth bezeichnet. 1136 errichteten die Kreuzfahrer hier eine massive Burg, die 1189 schließlich von den Arabern erobert wurde. Die Burg ermöglichte den Kreuzfahrern die Kontrolle der Beduinen sowie der Handelsrouten von Damaskus nach Ägypten und Mekka und gilt als eines der bekanntesten Beispiele der so genannten Kreuzfahrerarchitektur. Heute wird die Ruine der Stadt primär als Museum genutzt, dass die Entwicklung von Kerak und der Umgebung seit der Steinzeit dokumentiert.

Biblische Städte und Kreuzritterburgen

Südlich von Kerak, noch bevor die Straße das antike Reich von Edom erreicht, finden sich die bedeutenden islamischen Tempel Mu’ta und Mazar, die den ersten Zusammenstoß des Islams mit Byzanz 632 erlebten. Kurz nachdem die Königsstraße in das Reich Edom hineinführt, befindet man sich in der ausgegrabenen biblischen Hauptstadt Buseira, dem biblischen Bozra. Auch hier begegnet einem eine Kreuzfahrerburg, die 1115 von Balduin I., dem König von Jerusalem, errichtet wurde und die Hauptsitz der Kreuzfahrer im Schutz des Landes zwischen Jerusalem und Aqaba war. Ihr Name ist Shobeq und sie wurde als erste Kreuzritterburg in Oultrejourdain auf einem kegelförmigen Berg, dem so genannten „Königsberg“ errichtet. Aufgrund der fruchtbaren Landschaft rund um die Burg und wegen der günstigen Lage an den wichtigsten Verkehrswegen, siedelten sich hier bald viele hundert Christen an. Die Mauern und Treppenwege, die heute von der Burg übrig sind, stammen zum großen Teil aus der islamischen Zeit unter den Ayyubiden. Einzige Ausnahme sind zwei Moscheen, die ursprünglich als Basiliken errichtet worden waren und erst später umgeweiht wurden.

Hinter Shobeq erreicht man dann nach langer Fahrt endlich die berühmte Stadt Petra, die als einzigartige in den Fels gehauene Stadt ein Zentrum des antiken Gewürzhandels war und der die Königsstraße über 400 Jahre als Handelsroute diente. Diese Stadt bildet für viele Pilger und Besucher das Herz der Königsstraße.